Was hat Mallorca mit Wandern zu tun? Der Pauschaltourist am Ballermann wird Mallorca wohl wenig mit Wandern in Verbindung bringen und auch der völlig ahnungslose Mallorca-Ignorant wird eben eher die Schinkenstraße, den Bierkönig, Ballermann 6 und Arenal mit Mallorca verbinden. Wie aber jeder, der einmal die andere – weitaus größere – Seite von Mallorca kennen gelernt hat, berichten kann, kann man auf Mallorca sehr gut wandern.
Nun wird sich der interessierte Wanderfreund sicher wie beim vorigen Eintrag zu Rock am Ring fragen, warum ich dann darüber schreibe. Weil er dies völlig zu Recht fragt, werde ich zunächst eine kurze Begründung liefern und die Vorgeschichte beschreiben. Irgendwann im Mai kamen meine geschätzten Kollegen K. und A. auf mich zu und schlugen – als eine Art Abschiedstour – eine 2-3 tägige Wanderung irgendwo in der näheren Umgebung vor. Nach ein paar Überlegungen hatten wir uns schnell auf den Rheinsteig geeingt, von dem wir ein Stück in der Gegend von Bonn gehen wollten. Leider hatten wir die Rechnung ohne den umtriebigen A. gemacht, der ca. Ende Mai oder Anfang Juni noch einmal bei mir im Büro aufschlug und den – im Nachhinein grandiosen – Vorschlag machte, statt des Rheinsteigs einfach die Insel Mallorca zu besuchen. Nach einer 180° Wende von K. den ursprünglich keine 10 Pferde nach Mallorca bringen würden, war die Planänderung beschlossen und ein Flug sowie ein Appartment gebucht. Vor der Reise wurden natürlich hehre Ziele bezüglich Wanderungen gesteckt, die allerdings fast komplett dem zu heißen Wetter und der zu anderen Aktivitäten ermunternden Umgebung zum Opfer fielen.
Der geneigte Wanderfreund erkennt hier wieder einmal die Schwierigkeiten, die man im Umgang mit den Mitmenschen hat, wenn man sie zum Wandern, also zu gesunder Bewegung an der frischen Luft, animieren will. Sie wollen der Anstrengung einfach entgehen und denken sich die merkwürdigsten Strategien aus. Es werden einfach neue abenteuerliche Vorschläge gemacht, die man nicht ablehnen kann, und, wenn man einmal vor Ort ist, dann wird man vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine besonders abgefeimte Strategie wurde uns später noch von Kollege K. vorgeführt, aber dazu später mehr. Um andere Wanderbegeisterte vor solchen Enttäuschungen zu warnen, will ich im Folgenden einen Überblick über die von uns als Studienreise bezeichnte Tour geben:
Vorbereitungen:
Das wichtigste in der Vorbereitung war natürlich, die Wanderschuhe einzupacken. Ansonsten war die Devise, mit leichtem Gepäck zu reisen, schließlich sollte das Wetter sehr gut werden. Außerdem braucht man (Zitat K.) tagsüber nur ‘ne Buchse, mit der man sich an den Strand legt. Zudem würden sich laut A. nur normale Leute an der Playa de Palma aufhalten und nicht so genau auf die Kleidung achten.
Dienstag, 17. Juni
Die Reise begann also Dienstags morgens am Flughafen von Dortmund. Wie bei dem ein oder anderen Leser bekannt, sind Mallorcareisende teilweise verschrien für Ihr ungewöhnliches Benehmen. Dazu gehört z.B. schon ein Bier am frühen Morgen am FLughafen. Nun gehört es zum Charakter einer Studienreise Dinge von ganz nahem zu betrachten und auszuprobieren.
Der Flug war sehr angenehm und brachte uns pünktlich auf die Insel. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Sightseeing in der Nähe das Hotels. So besichtigten wir den Bierkönig und testeten die örtlich verkauften Biere.

Die nächste Station war Balneario 6, besser bekannt als Ballermann 6. Dort haben wir in jedem Fall die normalsten Leute angetroffen. Im speziellen denke ich dabei an einen vermutlich Düsseldorfer, der uns eine unkonventionelle Art zeigte, seine Badehose zu tragen. Wegen des Studiencharakters der Reise folgten wir nun der Strandpromenade weiter in Richtung Arenal um die Unterschiede in der Bebauung zu erkennen, auf die unser Reiseleiter A. des öfteren hinwies. Auf dem Rückweg besichtigten wir den Megapark und machten einen Abstecher zur Bierstraße sowie zum Rui Palace, ohin wir am Abend zu Beobachtungszwecken zurückkehren wollten.
Zum Abendessen empfahl unser Reiseleiter die lokale, typische Küche. Am besten konnte man diese im Münchner Kindl, direkt in der Nähe unseres Hotels zu sich nehmen. Empfehlen können wir diverse Schnitzelsorten, aber auch die Schweinshaxe.
Nach einer kurzen Pause im Bierkönig, verbrachten wir den Rest des Abends im Riu Palace, wo wir mit Begeisterung auf das „Konzert“ unseres Idols Micky Krause warteten. Gegen 2:00 Uhr wurden wir und die mit uns ausharrenden Abiturienten dann belohnt und Micky fegte wie ein Orkan durch das Riu Palace.
Mittwoch, 18. Juni
Den zweiten Tag auf der Insel nutzen wir für einen Kulturausflug nach Palma. Im Gegensatz zu Playa de Palma leben dort nicht so viele normale Leute, sondern anscheinend noch einige Einheimische. An Sehenswürdigkeiten fand ich persönlich die Stadt relativ arm, aber dennoch haben wir den ganzen Tag dort verbracht und uns den alten Bahnhof, die Kathedrale (von aussen), den Hafen und die Gassen der Altstadt angesehen.
Den Abend verbrachten wir dann auf sehr normale Weise zuerst im Münchner Kindl, dann im Bierkönig und schließlich im Oberbayern.
Donnerstag, 19. Juni
Diesen Tag verbrachten wir zunächst mit einem kurzen Aufenthalt am Strand, wo wir den entscheidenden Satz – bzw. eine Frage – des Urlaubs hörten. Eine ziemlich normale deutsche Mallorcareisende, die schon viele Jahre auf diese Insel kommt, war von den Deutschkenntnissen eines dunkelhäutigen Promoters sehr angetan. Dies brachte in ihr folgenden ausgesprochenen Gedankengang ins Rollen: „Du sprichst so gut Deutsch! Bist Du hier aufgewachsen?“
Deutsch war auch der Rest des späten Nachmittages und der Abend. Das Abendessen opferten wir einem guten Platz im Bierkönig, um im Detail studieren zu können, wie denn der gemeine Urlauber an der Playa de Palma ein EM-Viertelfinale mit deutscher Beteiligung zelebriert.

Es war sehr normal!

Auch aufgrund des guten Ergebnisses war der restliche Abend auch ziemlich normal.
Freitag, 20. Juni
Am letzten Tag vor der Abreise sollte K. dann seinen finsteren Plan in die Tat umsetzen und drückte sich auf extrem listige Weise vor der Tagestour, die auch eine kleine Wanderung beinhalten sollte. K. gab an, er sei vom normalen Abend vorher so erledigt, daß er auf keinen Fall mitkommen könne. Er wolle lieber später am Strand weiter studieren. Daß wir ihn dann bei unserer Rückreise mit Spiegel und Welt antrafen, hat uns dann allerdings sehr betroffen gemacht. Daß er wirklich nicht mehr bei Sinnen war, konnten wir uns damit erklären, daß er sogar den Wirtschaftsteil lesen wollte. Zum Glück hat das keiner unserer Nachbarn mitbekommen.
A. und ich fuhren also an diesem Tag mit dem Bus über Palma und den Tunnel in den Bergen nach Port de Soller an der nördlichen Steilküste. Port de Soller ist tatsächlich ganz anders als Playa de Palma und lockt auch andere als normale deutsche Touristen an. Der Leuchtturm an der Südseite der Hafeneinfahrt eignet sich gut als Ziel für einen Spaziergang, den wir notgedrungen als Wanderung verkaufen mussten.
Die folgenden Bilder sollen zeigen, daß sich eine Rückkehr dorthin auf jeden Fall lohnen wird:






Bei der kurzen Wanderung stießen wir noch auf ein Filmteam, daß einen Dreh auf den Felsen über dem Meer vorbereitete. Ob das für „Die mit dem roten Halsband auf Mallorca“ war oder für irgendeinen seriösen Film, werden wir wohl nie erfahren.
Dir Rückkehr habe ich schon in der Einleitung des Tages beschrieben und kann nur noch einmal wiederholen, wie fassunglos ich war. Der Abend war wie auch schon die Tage vorher sehr normal. Hervorzuheben sind nur die mir unbekannten Helmut und Henrik, die die sie begleitenden Freunde bzw. Fußballkollegen in einen großartigen Grölwettbewerb führten, dessen Zeuge wir sein durften.
Samstag, 21. Juni
Nach vier Tagen mussten wir uns leider auf Rückreise machen und unsere Studien beenden. Die Auswertung des Materials wird sicher noch etwas dauern, aber schon beim Landeanflug auf Dortmund verspürte ein jeder von uns den Ruf der Insel und wir werden sicher noch neue Spezialstudien durchführen müssen, die einen Besuch vor Ort notwendig machen.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß Mallorca eben zwei Seiten hat. Der ein oder andere mag vielleicht eine davon als die Kehrseite bezeichnen, aber ich selber sehe davon ab, ein Bewertung abzugeben. Genauere, schon erwähnte spezielle Studien müssen ergeben, was genau die Kehrseiten sein könnten.
Abschließend bedanke ich mich sehr herzlich bei meinen Mitreisenden, ohne deren Hilfe ich nicht so viele Einblicke in die örtliche Kultur hätte gewinnen können. Es war eine großartige Reise. Beim nächsten Mal gehen wir aber wirklich wandern, oder?
P.S.: Ein kleines Stück des Rheinsteigs bin ich mittlerweile gelaufen, nämlich hoch zum Petersberg bei Bonn. Auf das Stück sind ein anderer K. und ich am 4. Juli im Rahmen einer kleinen Tour gestoßen.